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Ach 96…

Die Derbykarten für das Spiel beim Erzrivalen aus Braunschweig werden im Losverfahren vergeben. Ob das so die beste Lösung ist, kann man zumindest diskutieren. Kopfschütteln verursachen allerdings allerlei Maßnahmen die an die Kartenvergabe geknüpft sind.

Als 96-Fan hat man es dieser Jahre nicht leicht. Soweit nichts Neues. Eigentlich müsste man sich auch gar nicht mehr groß aufregen – kennt man ja alles. Nichts, was nicht so (oder so ähnlich) schon dagewesen wäre. Angesichts der Meldungen, die zurzeit so durch den Äther schießen, empfinde ich es aber geradezu als Entspannungsübung, mich  mit den Angelegenheiten und Problemchen zu befassen, die man als 96-Fan so auszustehen hat. Daher: Es ist immer wieder erstaunlich, was einem da von Seiten des Vereins so vorgesetzt wird! Vor allem muss man sich mal fragen, welche Motive eigentlich dahinter wirken.

Was gibt’s denn diesmal?

Für das Auswärtsspiel gegen Eintracht Braunschweig am 06.04. erhält Hannover insgesamt 2.100 Tickets, 600 Sitz-, sowie 1.500 Stehplatzkarten. Diese Karten sollen über eine Verlosung (unter notarieller Aufsicht) an Mitglieder und Dauerkartenbesitzer vergeben werden.  Außerdem gibt es ein kleines Kontingent für offiziell registrierte Fanclubs, aber auch hier – Losverfahren. Einen freien Verkauf wird es nicht geben. Man kann darüber streiten, ob das Problem damit gerecht gelöst ist oder nicht. Es stellt aber zumindest eine akzeptable und vorhersehbare Lösung dar. Die eigentlichen Probleme liegen woanders: Nicht erst seit den Ereignissen rund um das Hinspiel, gilt die Partie als Risikospiel. Folgerichtig hat Hannover 96 also in monatelanger Arbeit und natürlich in Kooperation mit dem Turnverein aus Braunschweig, sowie den zuständigen Behörden, ein bahnbrechendes Sicherheitskonzept erarbeitet. Logischerweise muss man sich für die Verlosung erstmal registrieren. Also persönliche Daten angeben. Wir dürfen gespannt sein, ob (und wenn ja – wie viele) Dauerkartenbesitzer aus N16/17 unter den glücklichen Gewinnern sein werden. Wir erinnern uns – die waren ja kürzlich (mal wieder) in Ungnade gefallen.

Nun wissen also Vereine und Behörden Bescheid, wer da auf sie zukommt und können dabei im Vorfeld nach Belieben selektieren. Um das Ganze sicherzustellen, sollen die Karten nicht übertragbar sein. Soweit so gut. Fehlt noch die Frage nach dem „wann“. Damit auch hier keine Unklarheiten aufkommen, gibt es die Tickets nur in Kombination mit einer eigens organisierten Busreise. Mit 50 Bussen sollen die Fans am Spieltag vom Schützenplatz in Hannover zum Stadion in Braunschweig gekarrt werden und natürlich auch wieder zurück. Damit dieses „Angebot“ auch von allen genutzt wird und keiner den Überblick verliert, hat man sich wiederum etwas einfallen lassen: Stehen die Gewinner des Losverfahrens fest, werden keineswegs – wie sonst üblich – Tickets via DHL versandt, sondern lediglich ein Bus-Voucher. Die Eintrittskarten gibt es erst, gegen Vorlage des Personalausweises, im Bus und zwar nach der Abfahrt vom Schützenplatz.

Da lachen ja die Hühner

Dass diese (Vieh)Transportmethode bereits nach rechtsstaatlichen Maßstäben äußerst fragwürdig ist, lasse ich hier jetzt mal außen vor. Die Debatte über Zwangsanreisen, Ausweichmanöver und Grundrechte werden an jedem Spieltag irgendwo geführt. Das müssen wir hier jetzt nicht auch noch durchkauen. Fakt ist allerdings: SO FUNKTIONIERT DAS ALLES NICHT, liebe Ideengeber! Haben wir Euch doch neulich erst erklärt?! Nach den AGB von Hannover 96 sind Eintrittskarten grundsätzlich übertragbar. Das bedeutet, man darf sie (im privaten Rahmen) weitergeben. Das kann man dann jetzt auch immer noch nicht einfach so übergehen, stellen AGB doch – nach geltendem Recht – eine beiderseitige Vertragsvereinbarung dar. Die angebliche Nicht-Übertragbarkeit ist also nicht durchzusetzen. Peinlich genug. Aber es geht noch weiter. In den AGB findet sich – darüber hinaus – ein Passus, der die Vergabe von Auswärtskarten in Verbindung mit einer Auswärtsdauerkarte (ich dachte die gibt es gar nicht mehr?!) regelt. In diesem ist genau festgelegt, wie es bei der Vergabe zuzugehen hat:

“Die einzelnen Tageskarten der Auswärtsdauerkarte werden ausschließlich per DHL versendet. Die Zustellung erfolgt bis fünf Tage vor dem jeweiligen Auswärtsspiel. Eine Hinterlegung oder Abholung ist nicht möglich.”

Interessant. Was also ist eine Kartenausgabe in einem Reisebus an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit, wenn nicht eine „Hinterlegung“ von Karten?!?

Die Fragen die man sich stellen muss

Diese Maßnahmen und deren offensichtliche Undurchführbarkeit, lassen drei mögliche Schlüsse zu: Entweder, bei Hannover 96 sind in letzter Zeit eine ganze Menge Leute neu eingestellt worden, die (vor lauter Stress bei der parteiübergreifenden  Sicherheitsplanung) noch nicht dazu gekommen sind, die eigenen AGB zu lesen, man hat diese 2. einfach ignoriert, oder man ist (3.) schlicht zu doof. Ich tippe auf Variante 2. Wenn man nun aber genau weiß, dass derlei Maßnahmen (selbst nach den eigenen Regularien) nicht durchführbar sind und dass einem diese um die Ohren fliegen werden, warum kündigt man die dann überhaupt erst an? Das wiederum lässt zwei weitere mögliche Schlüsse zu: Entweder man hält die Fangemeinde schlicht für zu blöd, um die Idiotie gewisser Dinge zu durchschauen, oder aber, man weiß genau was passieren wird und hat das in seine Planungen mit einbezogen. Man kann nämlich auch einfach irgendwelche Meldungen veröffentlichen, sich zurücklehnen und abwarten, was passiert. Entweder passiert nichts, dann ist das ganz toll und ich habe meine Ziele durchgesetzt, oder aber es entbrennt eine öffentliche Diskussion.

In einer solchen Diskussion können die Kritiker eigentlich nur verlieren. Der durchschnittliche Premium-Kunde wird die Sicherheitsmaßnahmen (nicht zuletzt dank entsprechender medialer Begleitung) gut und richtig finden. Angst um die eigene oder die allgemeine Sicherheit funktioniert halt immer. Das wiederum bereitet den Nährboden dafür, ungestraft auf jene einschlagen zu können, die das nicht einfach hinnehmen wollen. Wer also Kritik an den Vorgängen übt, wird ganz schnell von der Öffentlichkeit zum „gewaltorientierten Fußball-Chaoten-Hooligan-Ultrá-Pyromanen“ gestempelt und dessen Akzeptanz sinkt – während die Fanszene insgesamt sich weiter spaltet. In der Konsequenz wäre das also nur ein weiterer Schritt – weg von einer lebendigen Fanszene, hin zum Premium-Event für die Premium-Kundschaft. Glückwunsch, Maddin – Du Fuchs!

Max
März 14th, 2014 at 12:13 pm

Erst ganze Städte in Bürgerkriegsschauplätze verwandeln und dann mit AGBs argumentieren… Hmmm… auch fragwürdig.

Typ
März 28th, 2014 at 12:09 pm

Also mit Verstößen gegen Regeln und Gestze darf man selbstverständlich gegen Fussballfans argumentieren, aber in gleichem Maße für Fussballfans zu argumentieren ist auf einmal fragwürdig??… Hmm ziemlich einschneidiges Schwert finden sie nicht Herr Max?? Außerdem gilt diese Regelung nicht für Leute die Randale machen sondern für ALLE die nach BS wollen. Und diese Leute werden zufällig unter den Mitgliedern und DKbesitzern ausgelost. SIe sind also der Ansicht, das alle Mitglieder und DKinhaber von Hannover 96 Randalierer sind?? Mich würde darüber hinaus auch noch interessieren ob sie überhaupt wissen was ein “Bürgerkriegsschauplatz” ist, und wenn ja woher? Waren sie schon mal in einem Bürgerkrieg??

Naja Hauptsache alles gut finden und Ja und Amen sagen… ziemlich fragwürdig!

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